Die Veranstaltung war auf der Webseite des Stadtrats von Seattle angekündigt. Ein Tag mitten in der Woche, am Mittag von 11:30 bis 13:30, darum ist das Thema als formlose Lunch-Diskussion aufgezogen. Brown-Bag-Lunch nennt man das offiziell, weil alle Teilnehmer ihre Papiertüten mit Butterbrot mitbringen dürfen. Ein brennendes Thema, so wichtig, dass das Stadtmagazin von Seattle, The Stranger, seine Leser auffordert hinzugehen und sich Gehör zu verschaffen. Auch die lokale Station von NPR (National Public Radio) berichtete schon am Morgen davon. Die Besucher sind zahlreich, die Veranstaltung beginnt pünktlich.
Carl, Vertreter einer Nachbarschaft-Gruppe namens Reasonable Density Seattle, hat Journalisten erklärt worum es geht. Ein Immobilienprojektentwickler reißt beispielweise ein Einfamilienhaus ab, um es durch sechs Wohneinheiten zu ersetzen. Die Nachbarn denken, OK, an diese Bebauungsdichte sind wir gewöhnt. Damit können wir leben. Am Ende stehen dort aber nicht sechs Wohneinheiten sondern 42 Microapartments. Heute ist Carl ziemlich aufgeregt, denn er wird später vor dem Gremium dazu sprechen.
George sagt mir aber dass Carl das alles ziemlich eng sieht. George ist Vorsitzender eines Nachbarschaftskomittees in Capitol Hill. Von dem Stadteil gleich an der Innenstadt, auch neben der Universität, wird heute viel gesprochen. In Capitol Hill liegen allein 18 von 48 Microapartment-Projekten im Stadtgebiet von Seattle. Microapartments sind ein Problem. Finden einige Bürger. Die nicken jetzt manchmal heftig, wenn der Stadtraete besonders harte Fragen an die Vertreter der Stadtplanungsamts stellen, applaudieren wenn andere Bürger etwas gegen die neuen Bauprojekte sagen.
Carl sagt die Nachbarn sollen gefragt werden bevor gebaut wird. Eine andere Bürgerin sagt, dass sie gern in ihrem Stadtteil lebt und bittet den Stadtrat dafür zu sorgen dass sie dort wohnen bleiben kann. Ein Architekt sagt, egal welche Regelung, Hauptsache schnell und verbindlich, damit er planen kann. Ein Hausbesitzer sagt Microapartments sind gut. Er kenne das Business. Eine Dichterin trägt einen Tect zum Them Wohnen in Mietshäusern vor. Eine Bewohnerin der Apartmenthäuser schließlich, dass sie gern darin wohnt, dass die Bewohner sehr communiy-orientiert seien und gemeinsam ins Fitness-Studio und in die Kirche gehen. Sie sitzt neben einem smarten Typen der wie ein PR-Berater aussieht.
Und jetzt? Jeffrey Cook, Mitglied der Gemeindevertretung des Stadtteils Capitol Hill, hat dem Stadtrat von Seattle den Entschluss-Antrag für ein Moratorium vorgelegt. Keine neuen Microapartments, bis Lücken im Bewilligungsprozess geschlossen sind. Beschlossen wird heute gar nichts. Eigentlich haben auch ausschliesslich einige der Ratsmitglieder Butterbrote gegessen. Mitgebrachte in Tüten. Die Bürger und Architekten im Publikum haben keine Butterbrote gegessen. Vielleicht waren sie zu aufgeregt.
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