Mein Hotel in Portland liegt im alten Geschäftsviertel, nahe dem Hafen, und ist der Originalschauplatz einer "Portlandia"-Episode. Im Film heißt es Deuce Hotel und ist der Treffpunkt einer bizarren und lustigen Mischung von Möchtegern-Musikern und Festival-Besuchern. In Wirklichkeit hat das Hotel keinen Parkplatz für Autos, denn in Portland ist
es uncool überhaupt Auto zu fahren. In Wirklichkeit sitzen viele freundliche junge Menschen mit Apple-Produkten im Hotel-Café. Botschaft Nr. 1: Portland ist hip und trendy und "Portlandia" in keiner Weise übertrieben.
Portland liegt 275 Kilometer südlich von Seattle, der größeren Schwester im Pacific Northwest. Portland ist mit 580.000 Bewohnern das Synonym für eine besondere Lebenskultur, die mit "leicht ökologisch", "irgendwie angesagt", "ziemlich emanzipiert" und "unheimlich kreativ" exakt umschrieben ist. Anders als in Berlin Mitte trinkt man hier aber keine Bionade, sondern lokal gebrautes Brier, außerdem wird man nicht unfreundlich angeschnautzt, wie in Berlin, sondern von der unendlichen, allgegenwärtigen Freundlichkeit eingelullt, die entweder typisch amerikanisch, typisch Westküste oder einfach nur sehr angenehm ist. Botschaft Nr. 2: "Es gefällt mir sehr gut in Portland."
Abends denke ich mir, Chicken Curry wäre jetzt die passende Mahlzeit, aber nur beim Schweinegericht steht "organic" drauf. Darum wähle ich das. Die Kellnerin darf mir aber kein Bier verkaufen, weil sie noch nicht alt genug ist. Stattdessen fragt sie mich ob ich aus Frankreich komme. Nein, ich habe nicht gefragt ob das Schwein aus der regionalen Zucht ist oder ob es ein glückliches Schwein war. Bei den Hühnern hätte ich vielleicht nachgefragt. Und wahrscheinlich hätte ich sogar eine Antwort bekommen. „Is it local?“ Diese Frage kennen alle Portlandia-Fans. Botschaft Nr. 3: "Ja, hier ist wirklich alles ökologisch."
Portland liegt 275 Kilometer südlich von Seattle, der größeren Schwester im Pacific Northwest. Portland ist mit 580.000 Bewohnern das Synonym für eine besondere Lebenskultur, die mit "leicht ökologisch", "irgendwie angesagt", "ziemlich emanzipiert" und "unheimlich kreativ" exakt umschrieben ist. Anders als in Berlin Mitte trinkt man hier aber keine Bionade, sondern lokal gebrautes Brier, außerdem wird man nicht unfreundlich angeschnautzt, wie in Berlin, sondern von der unendlichen, allgegenwärtigen Freundlichkeit eingelullt, die entweder typisch amerikanisch, typisch Westküste oder einfach nur sehr angenehm ist. Botschaft Nr. 2: "Es gefällt mir sehr gut in Portland."
Abends denke ich mir, Chicken Curry wäre jetzt die passende Mahlzeit, aber nur beim Schweinegericht steht "organic" drauf. Darum wähle ich das. Die Kellnerin darf mir aber kein Bier verkaufen, weil sie noch nicht alt genug ist. Stattdessen fragt sie mich ob ich aus Frankreich komme. Nein, ich habe nicht gefragt ob das Schwein aus der regionalen Zucht ist oder ob es ein glückliches Schwein war. Bei den Hühnern hätte ich vielleicht nachgefragt. Und wahrscheinlich hätte ich sogar eine Antwort bekommen. „Is it local?“ Diese Frage kennen alle Portlandia-Fans. Botschaft Nr. 3: "Ja, hier ist wirklich alles ökologisch."
Am nächsten Morgen leihe ich mir ein Fahrrad aus, das gehört
zum Hotel-Angebot. Um 9.00 Uhr stehe ich vor dem 1895 erbauten, also für Westküsten-Verhältnisse uralten Rathaus. In den Episoden von „Portlandia“ fährt der Bürgermeister von Portland (Kyle MacLachlan, der smarte Schauspieler aus
Blue Velvet und Desperate Housewifes) mit dem Fahrrad durch die
Stadt. Außerdem spielt er in einer Raggae-Band und findet alles in
seiner kleinen Stadt besser als im vier mal so großen Seattle. Aber ich sehe
vor der Portland City Hall nur wenige Fahrräder. Im Fahrradständer am Vordereingang nur neun, am Hintereingang sogar nur eines. Da kommen zwei verspätete Angestellte. Die stellen ihr Fahrrad nicht ab. Die nehmen das tatsächlich mit ins Gebäude. Raetsel gelöst.
Den Rest des Tages verbringe ich in Powell's Bookshop. Ein riesiges Buchgeschäft mit echten Büchern die in Regalen stehen. Kein Online-Shop mit Logistikcenter. Und extrem liberal. Fehlt leider trotzdem die unnachahmliche Mischung aus selbsthilfezentrierter Rechthaberei, fragwürdigem Musikgeschmack und völliger Gleichgültigkeit gegenüber Geldverdienen die wir aus dem beruehmtesten feministischen Buchladen der USA kennen. Botschaft Nr. 4: "Ich fühle mich schlecht weil ich all die wunderbaren Bücher nicht gelesen habe, die mir auf dem Buchrücken sagen wie umwerfend, aufregend und elegant geschrieben sie sind.
Abends bin ich wieder in meinem Hotel. Immer noch sitzen viele freundliche junge Menschen
mit Apple-Produkten im Hotel-Café. Ob die zwischendurch mal draußen waren?
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